„Coronafrei“

Vorgestern (14.03.2020) sollte es eigentlich nach Turi gehen. Das ist ein Stadtteil von Cuenca und dort wollten wir mit einer Riesenschaukel schaukeln. Allerdings regnete es die meiste Zeit in Strömen, so dass kurzfristig beschlossen wurde, mir noch ein paar Parks und eine schöne Aussicht über die Stadt zu zeigen. Für den Ausblick fuhren wir in die achte Etage eines gläsernen Aussichtsturmes.

Zuvor besuchten wir noch „Casa de Madre“. Das ist ist eine kleine Ansammlung von Läden, die handgefertigte Dinge, wie z.B. Sombreros, verkaufen.

Als wir wieder zuhause ankamen, trafen uns allerdings eine erschreckende Neuigkeit. Die ecuadorianische Regierung hatte angekündigt, dass nicht nur ab Sonntag niemand mehr einreisen, sondern auch ab Montagnacht keiner mehr ausreisen darf – auf unbestimmte Zeit. Der Schulleiter des Colegio aleman empfahl den deutschen Austauschschüler doch eventuell früher abzureisen. Nach diversen Diskussionen und Telefonaten war ich eigentlich zu dem Schluss gekommen, abreisen zu wollen – man weiß eben nicht, wann man wieder normal fliegen darf. Jedoch wurde das Ticket für einen der letzten Plätze zurück nach Deutschland mit jedem Buchungsschritt teurer und so sollte der endgültige Preis 3222€ betragen. Das ließ mich zu dem Schluss kommen, dass ich wohl doch in Ecuador bleibe – auch wenn man nicht weiß, ob ich meinen regulären Flug nehmen kann oder noch länger hier festsitzen werde.


Gestern (15.03.2020) war dann also der erste Tag mit unendlich viel Zeit, denn meine Gasteltern beschlossen alle Ausflüge zu streichen und sich weitesgehend auch nur noch auf dem Grundstück aufzuhalten. Demnach versuchte ich mehr oder weniger erfolgreich die Zeit tod zu schlagen. So führte es dazu, dass ich mir Geschichtsdokumentationen ansah und sogar anfing Ukulele zu lernen. Trotzdem begleitete mich die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl.


Heute (16.03.2020) schlief ich erstmal aus, was allerdings nicht so viel Zeit in Anspruch nahm wie erhofft. Gegen 9.00 Uhr war ich schließlich auf den Beinen. Ich skypte mit Freunden aus Deutschland, puzzelte mit meinem Gastvater, entwarf Designs, um das Feuerholz zu bemalen und schaute mir Dutzende Videos über Käsekuchen an – sehr bereichernd. Es gibt existieren gefühlt unendlich viel verschiedene Rezepte für Käsekuchen.

Ein Kommentar zu “„Coronafrei“

  1. Ach herrje, Du Arme. Deinen Aufenthalt hast Du Dir sicher anders vorgestellt. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du hoffentlich noch Land und Leute kennenlernst und natürlich gut, gesund und bezahlbar nach Haus kommst!
    Ganz liebe Grüße Trixi

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