Eine neue Woche hatte begonnen und das bedeutete natürlich auch, dass Schule in eine neue Runde ging. Die erste Hälfte der Schulwoche passierte nicht wirklich etwas spannendes. Alles hatte sich so langsam eingerüttelt und die alltäglichen Abläufe sind eingespielt. Am Dienstag (29.09.2020) fuhren wir allerdings zu einer Nachbarfarm und kauften diverse Kürbisse in allen erdenklichen Ausführungen und Größen als Deko für Halloween. Das wird hier nämlich deutlich größer als in Deutschland gefeiert. Es wird dekoriert, sich aufwendig verkleidet und Parties geschmissen. Jeder suchte sich z.B. auch einen Kürbis zum Schnitzen aus. Zuvor hatten wir gleich nach der Schule noch meine Paket, was mir Mama aus Deutschland geschickt hatte abgeholt. Sie hat mir einige Dinge wie Wanderschuhe hinterhergesendet, die zu schwer waren, um sie mitzunehmen, aber trotzdem praktisch sind.
Spannender wurde es jedoch am Donnerstag (01.10.2020). Da hatten wir nämlich Sport und es stand ein Balltunier gegen die Parallelklasse auf dem Programm. Wir spielten in 5er oder 6er Teams jeweils zwei Runden Basketball und zwei Runden Volleyball. Nun ja, mein Team war nicht so gut wie wir uns das gewünscht hatten, aber man muss auch verlieren können. Ein Team aus meiner Klasse gewann hingegen alle Spiele und wurde damit auch Gesamtsieger. Am Nachmittag als Kenneth wieder zuhause war, hatte er gleich einen Riesenhänger mit Brennholz mitgebracht – 4000 Liter. Diese mussten aber auch von der Auffahrt in den Holzschuppen gebracht werden. Also schnappte sich jeder eine Kiepe und auf ging es mit dem Schleppen und Stapeln…


Geschafft! 
Holzschuppen wieder voll!
Am Freitag (02.10.2020) startete der Tag direkt mit einer Mathestunde. Das ist der absolute Traum eines jeden Schülers vor allem, wenn man bedenkt, dass sich das Thema Potenzen und Logarithmen ankündigte. Eigentlich ist der ganze Spaß gar nicht so schwer, zumal ich das alles schon mal gemacht habe, aber der Sprachenmix aus deutschen Vorkenntnissen einer norwegischen Lehrererklärung und einem englischen Lernvideo kann einen doch etwas verwirren. In der Mittagspause schaltete sich dann plötzlich das Licht in der Kantine aus. Zuerst dachten wir, dass es eine Art Stromausfall ist, aber als dann noch die Abschlussklassen mit Edding und Co. die Runde machten, um Gesichter zu bemalen, war allen klar, dass es die erste Russ-Aktion des Schuljahres ist. Russ sind alle Schüler der Abschlussklassen unabhänging vom Ausbildungszweig in der Schule. In Deutschland ist es vielleicht vergleichbar mit dem Abistreich am letzten Schultag der Abiturienten. Allerdings dauert hier der Abistreich ein ganzes Schuljahr und gipfelt in einer mehrwöchigen Partyszenerie vor den eigentlichen Abschlussprüfungen. Am Freitag wurden also Gesichter bemalt und die Vertreter für verschiedene Positionen wie Russ-President verkündet.

Am Abend kamen Savannah und Evelin, die auch über die gesamten kommenden Høstferie (Herbstferien, eine Woche) bleiben.
Am Samstag (03.10.2020) begann der Tag gleich mal mit einer kleinen Quizrunde. Da meine Gastfamilie natürlich auch etwas über Deutschland und unsere Traditionen etc. erfahren will, stellte sich natürlich die Frage, was für ein Tag am 3. Oktober in Deutschland gefeiert wird… Die Lösung habt keiner erraten: Tag der deutschen Einheit. Während der Woche hatte ich angefangen eine typisch norwegische Aktivität zu erlernen – stricken. Es mag sich gegebenenfalls etwas gewöhnungsbedürftig anhören, aber wenn man irgendwo warten muss, ist es gar nicht so unüblich sich sein Strickzeug mitzubringen. So stickte z.B. meine Norwegisch-Lehrerin während sie Testaufsicht hatte. Damit verbrachte ich also meine meiste Zeit. Am Abend gab es dann selbstgemachte Pizza die einfach himmlisch war. Am Sonntag spielten Kenneth und ich dann Tischcurling. Die erste Runde gewann zwar Kenneth, aber in der 2. holte ich auf. Da Kenneth aber unbedingt gewinnen wollte, schlug er eine weitere Runde vor und obwohl ich wusste, dass es sehr schwierig werden würde, nicht zu verlieren, willigte ich ein. Wie ich es schon geahnt hatte, war ich nicht der Sieger… Dafür darf ich jetzt im Winter in einmal Schneebaden ausprobieren. Aber Wettschulden sind ja bekanntlich Ehrenschulden.
