Mein erster Schultag

Um 10.15 Uhr (31.08.2020) hatte ich einen Termin mit Irina, meiner kontaktlærer (Kontaktlehrerin), in der Schule. Vorher hatte ich mir allerdings noch eine Stulle zum Mitnehmen geschmiert. Hierbei darf man sich aber natürlich kein normales deutsches Brot vorstellen, denn normales norwegisches Brot ist ungefähr so viel Brot wie Vollkorntoastbrot…

In der Schule angekommen, verabschiedete sich Nann und Irina zeigte mir einiges. Nach dem sie mir verschiedene Plattformen wie Visma InSchool, eine Art Online-Schulplaner für alle Schüler und Lehrer, erklärt, wir meinen Stundenplan zusammengestellt und Bücher abgeholt hatten, ging es auf einen kleinen Rundgang durch das Schulgebäude. Es gibt verschieden farbige Abteile für jede Spezialisierung – Musik/Drama/Tanz, Sport, handwerkliche Berufsausbildung und Studienspezialisierung (mein Zweig). Jeder braucht einen Computer und hat freien Zugriff auf W-Lan in der Schule. Wenn man keinen eigenen PC hat oder seinen nicht für die Schule benutzen möchte, kann man sich ganz einfach ein aktuelles Modell leihen. Alle benötigten Bücher können kostenfrei von der Schule geliehen werden und für Schließfächer fallen keine Gebühren an. Man muss sich lediglich ein eigenes Vorhängeschloss mitbringen und einfach ein noch freies Fach belegen!

Trotz mehr Digitalisierung sind das die größten, dicksten und schwersten Schulbücher, die ich je hatte. (Die meisten sind im A4-Format…)

In der Mittagspause, welche hier ganze 60 min lang ist, stellte mich Irina einigen meiner Mitschüler vor. Es wurde von Anfang an gelacht und Witze gerissen :). Dann folgte auch schon meine erste Unterrichtsstunde – Internasjonal engelsk (internationales Englisch). Nur etwa 20 min wurde Frontalunterricht wie in Deutschland gemacht – anschließend sollten Aufgaben über Microsoft Teams abgerufen und gelöst werden. Jeder nutzte einen Laptop und arbeitete leise vor sich hin. Die Arbeitsatmosphäre war so ruhig – sehr angenehm. Man sollte dieses Arbeitsprinzip absolut mal in Deutschland zumindest ausprobieren.

Mitten in der Stunde erreichte uns jedoch eine Lautsprecherdurchsage des Direktors. „Die Schule wird ab morgen für die gesamte restliche Woche geschlossen aus Sicherheitsgründen wegen Corona geschlossen.“ Über diese Nachricht freute sich niemand, aber nachvollziehbar war es wenigsten. Denn in einer Grundschule in Hamar wurden etwa 30 Kinder positiv auf Covid-19 getestet und es gibt diverse Kontakte zu allen umliegenden Schulen. Nichts desto trotz fand die letzte Stunde noch statt – Mathe. Als ich meine Bücher bekommen habe, musste ich mich auch entscheiden, welchen Mathekurs ich belegen will. Schließlich wählte ich den Kurs mit dem höchsten Niveau, was nicht nur zur Folge hatte, das ich die Polynomdivision zum mindestens 4. Mal in meiner Mathekariere hatte, sondern auch, dass ich mich plötzlich in einem Kurs wiederfand, der so ziemlich komplett aus Sportschülern bestand. Ich meine, eine gute Sache bringt das immerhin mit sich: Ich lerne alle möglichen Leute aus meiner Klassenstufe kennen.

Nach der Schule wartete Nann schon auf dem Parkplatz auf mich, um mich abzuholen. Doch bevor wir einsteigen konnten, sprach uns eine Frau an, die wir beide noch nie zuvor gesehen hatten. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Verantwortliche meiner Austauschorganisation in Norwegen handelte. Anschließend kam auch noch eine andere Austauschschülerin hinzu – Martina aus Italien. Sie geht ebenfalls in meine Klasse und wir nehmen gemeinsam an dem Norwegisch-Anfänger-Kurs teil, den Irina für uns macht.

Das Abendessen war auch an diesem Abend wieder himmlisch und es kommt mir fast so vor, als ob ich schon ein halbes Jahr hier bin und nicht erst 4 Tage.

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