Yunguilla

Eigentlich dachte ich, dass wir gleich am Vormittag (23.02.2020) nach Yunguilla aufbrechen würden, aber da hatte ich mit deutlich geirrt. Nach dem Frühstück gegen 9 Uhr fing Maria ganz entspannt an, ihre Sachen zu packen. Ich begann in der Zeit schon mal an, mein Buch zu lesen, was ich mir mitgebracht hatte. Als wir dann noch anfingen Mittag vorzubereiten, habe ich mal wieder gemerkt, wie unterschiedlich das Verständnis für Zeit doch sein kann. Gegen 14 Uhr wurden Maria un ich dann von Julietas Eltern und ihrem Bruder Tommy abgeholt. Da Tommy Autismus hat, unterhielt er alle die ganze Zeit und es langweilte sich niemand auf der ca. 1,5h-Fahrt. Etwa eine halbe Stunde vor unserem Ziel bogen wir in eine feldwegähnliche Straße ein. Der holprige Trip führte uns zwischen Mango-, Orangen- und Kakaobäumen hinunter in ein Tal über eine kleine Brücke und auf der anderen Seite durch Kakteen und riesige Agaven wieder hinauf bis zu einer Art altem Bauernhof. Wir waren die letzten, die ankamen und Julietas restliche Familie begrüßte uns herzlich.

Der Hof in Yunguilla

Kaum waren wir angekommen, startete auch schon die erste Unternehmung. Wir (Julieta, Amélie, Fabian, Maria, ich) veranstalteten ein Schiffchenwettrennen auf dem kleinen Bach, der über das Gelände verlief. Wir bauten aus Blättern, Stöckern und allem, was man sonst noch finden konnte kleine Flöße. Zwischendurch gab es für uns Neuankömmlinge noch etwas zu essen – Salat und eine traditionelle Karnevalssuppe mit Hühnchen und Mais. Anschließend ging es an den Start unseres Rennens. Auf drei ließen alle ihre Bötchen los und ab ging die Post – zumindest für einige Konstruktionen. Marias Blumenboot sank schon ziemlich am Anfang, Fabians verlor man irgendwann aus den Augen und von Amélies Boot blieb nicht viel mehr als ein einzelnes Dekogänseblümchen, was von meinem und Julietas Schiffen verfolgt wurde, übrig. Der Tag neigte sich mit einer Partie Scrabble auf Spanisch, Englisch und Deutsch schon langsam dem Ende zu. Fabian und Familie fuhren ab und wir Mädels machten uns ans Betten beziehen.

Unser Zimmer

Am nächsten Tag (24.02.2020) weckten mich die unzähligen „Kiekeriekies“ der Hähne. Nach einer Weile wurden sie abgelöst von dem Bellen der Hunde (es waren 5 zu der Zeit) und dem Meckern der Ziegen. Also machte ich mich auf ins Bad, um endgültig aufzuwachen. Nach einem vielfältigen Frühstück genossen wir die grandiose Aussicht und ich las mein Buch weiter. Später machte Edu (Julietas Vater) mit Amélie und mir einen kleinen Spaziergang über einen Teil des Geländes. Er zeigte uns z.B. einen Gesteinsblock, der von Menschen bearbeitet wurde. Noch vor der Zeit des Inkaimperiums schlug man dort Löcher hinein, füllte sie bis zum Rand mit Wasser und benutzte diese Wasserlöcher wie Spiegel, um die Sterne zubeobachten und bestimmte Konstruktionen, ohne eine Nackenstarre zu bekommen, zu erkennen. Daraus schloss man dann beispielsweise auf Jahreszeiten und traditionelle Rituale.

Auf dem Ausflug über das Gelände

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf in den dschungelähnlichen Wald, um ein paar Früchte zu ernten (Diese sind außen grün, innen weiß und haben schwarze Kerne – Chirimoyas) Zuvor pflückten wir allerdings noch einige Früchte von einem Kaktus. Als wir schließlich bei den richtigen Bäumen angelangt waren begann ein kleines Suchspiel. Wer findet die großen grünen Früchte zwischen den großen grünen Blättern. Gemeinsam pflückten wir einen ganzen Korb und naschten zwischendurch verschiedenste andere Früchte. Rote Kaffeebohnen kosteten wir auch, denn nach Julietas Beschreibung sollte das Fruchtfleisch um den Kaffeebohnen, was allerdings nicht so wirklich zutraf, wenn man zuvor die anderen Exoten probiert hatte.

Später nach einer weiteren Mahlzeit, einer Lesesession und einigen Kartenspielen legten wir uns dann schließlich ins Bett und ließen den Tag ausklingen.


Gestern (25.02.2020) war dann der letzte Tag auf dem naturnahem Gelände. Nach dem Frühstück mit dem am Vortag geernteten Obst machten sich fast alle auf zu dem im Nachbartal entlang fließenden Fluss (Monkey River). Nach einer halben Stunde Fußmarsch über Kuhfladen hinweg (Auf dem gesamten Gelände leben ca. 20 Kühe samt 2 Kälbchen, die erst eine Woche alt waren.) entlang an steilen Abhängen und durch eine kleine Ansammlung von Kaffeepflanzen gelangten wir zu dem reißenden Fluss. Wir hielten entspannt die Füße ins Wasser und genossen die Sonne. Julieta und Amélie kletterten über Steine auf die andere Seite des Stroms und wanderten diesen wieder hinauf. Allerdings war es schwierig weiter oben wieder auf die richtige Seite zu gelangen und so kam es, dass die beiden und Oma, die ihnen helfen wollte, erst nach einer ganzen Weile klitschnass am Ufer ankamen. Dennoch stärkte der kleine Snack aus Bananenchips, Tortillas, Walnüssen, Rosinen und Wasser alle wieder, so dass wir uns wieder auf den Rückweg begaben.

Bevor es wieder nach Cuenca ging, hatten wir noch etwas Freizeit. So wollte Maria gerne ein Foto mit einem kleinen Küken machen. Naja, Jack, der Hund von Julietas Familie wollte gerne beim Fangen helfen und schnappte sich das Küken… Ob es noch lebt, das wussten wir leider nicht.


Heute ist der letzte Ferientag und Ale und Maria müssen noch für Tests und Prüfungen lernen. Deshalb bleibt mir genügend Zeit, um diesen Blogeintrag zu schreiben, mit Freunden zu schreiben bzw. zu skypen und etwas zu zeichnen.

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